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by Kathrin Jeglejewski
Was es bedeutet, dich als Bewusstsein zu erkennen, aus deiner Wahrheit zu wählen und diese Erinnerung durch dein Leben zu verkörpern
Aus dem Sein zu leben klingt zunächst wie ein Zustand, den du erreichen musst. Als müsstest du stiller werden, bewusster reagieren, deiner Intuition immer folgen und dich in jedem Moment daran erinnern, wer du wirklich bist. Doch sobald das Sein zu einem neuen Ideal wird, beginnt dieselbe Bewegung von vorn: Du beobachtest dich, bewertest deine Reaktionen und fragst dich, ob du gerade weit genug, klar genug oder spirituell genug bist. Du versuchst, das Menschsein zu überwinden, um endlich bei dir anzukommen.
Aber dein Sein ist kein Zustand, den du herstellen oder halten musst. Es ist das, was bereits da ist, bevor ein Gedanke deinen gegenwärtigen Moment bewertet. Es ist das Gewahrsein, in dem Freude und Angst, Klarheit und Zweifel, Bewegung und Stillstand erscheinen. Du kannst dich davon nicht entfernen. Du kannst nur zeitweise glauben, du wärst auf eine Rolle, eine Geschichte, ein Gefühl oder das sichtbare Ergebnis vor dir begrenzt.
Aus dem Sein zu leben heißt, dein Menschsein nicht länger mit der ganzen Wahrheit darüber zu verwechseln, wer du bist. Du bleibst ganz Mensch — und erinnerst dich zugleich an das, was jede Rolle umfasst.
Auf der absoluten Ebene fehlt dir nichts. Das Bewusstsein, das du bist, wird durch Erfolg nicht größer und durch Verlust nicht kleiner. Es braucht keine Anerkennung, keine Heilung und keine äußere Bestätigung, um vollständig zu sein. Alles, was du wahrnimmst, erscheint darin: dein Körper, deine Gedanken, deine Beziehungen, dein Geld, deine Arbeit und die Welt, die du dein Leben nennst.
Auf der menschlichen Ebene erlebst du dennoch Sehnsucht, triffst Entscheidungen und begegnest den Folgen deiner Wahl. Du darfst etwas wollen. Du darfst traurig sein, wenn etwas endet, wütend werden, wenn eine Grenze überschritten wird, dich freuen, wenn das Leben dich überrascht, und deinen Weg ändern, wenn eine Form nicht mehr zu dir passt. Die höchste Wahrheit nimmt dir deine menschliche Erfahrung nicht. Sie befreit sie von der Aufgabe, deinen Wert und deine Sicherheit herstellen zu müssen.
Genau darin liegt Verkörperung. Du benutzt die absolute Wahrheit nicht, um über das Menschliche hinwegzugehen, sondern lässt sie mitten darin lebendig werden. Du fühlst, ohne dich auf ein Gefühl zu reduzieren. Du denkst, ohne jeden Gedanken zu deiner Wahrheit zu erklären. Du handelst, ohne das Ergebnis darüber entscheiden zu lassen, wer du bist.
Du wirst nicht frei, indem du aufhörst, Mensch zu sein. Du wirst frei, wenn dein Menschsein nichts mehr über deinen Wert entscheiden muss.
Spiritualität wird leicht zu einer weiteren Form der Selbstoptimierung. Dann soll die Angst verschwinden, der Verstand still sein und jede Entscheidung aus vollkommener Weite entstehen. Doch das Leben verlangt nicht von dir, dass du eine unberührte Version deiner selbst spielst. Es lädt dich ein, vollständig hier zu sein: in einem Körper, in Beziehungen, in deinem Wirken und in dieser konkreten Welt.
Das Spirituellste, was du tun kannst, ist deshalb, dein Menschsein ganz zu bewohnen. Ein ehrliches Nein auszusprechen. Dich berühren zu lassen. Eine Entscheidung zu korrigieren. Dich zu zeigen, obwohl du nicht jede Reaktion kontrollieren kannst. Zu ruhen, wenn Ruhe da ist, und zu handeln, wenn das Leben sich durch dich bewegen will. Dein Bewusstsein wird nicht erst heilig, wenn dein Menschsein leise wird. Es erfährt sich als genau dieses Menschsein.
Du musst deine Angst nicht vernichten, um frei zu sein. Die Freiheit beginnt, wenn die Angst erscheinen darf, ohne über deine Identität und deinen nächsten Schritt zu bestimmen. Du musst deine Gedanken nicht loswerden. Du erkennst sie als Bewegungen in dir und entscheidest, welchen du Bedeutung gibst. Du brauchst auch nicht auf eine vollkommene Gewissheit zu warten. Du kannst aus deiner Wahrheit wählen, während ein Teil von dir noch lernen darf, dieser Wahl zu vertrauen.
Seit ich erkannt habe, dass ich zugleich die Spielerin, die Spielfigur und das bin, was dieses Spiel hervorgebracht hat, ist mein Leben um einiges leichter geworden. Die Spielfigur erlebt die konkrete Szene. Sie kennt nicht jede kommende Wendung, fühlt, wünscht, verliert, gewinnt und bewegt sich innerhalb menschlicher Bedingungen. Die Spielerin kann wählen, welche Richtung sie einschlägt, welche Bedeutung sie einer Erfahrung gibt und aus welcher Wahrheit sie handelt. Und das Bewusstsein, das du bist, ist der Raum, in dem die Spielerin, die Figur und das gesamte Spiel erscheinen.
Diese Erinnerung gibt deinem menschlichen Ich nicht die Kontrolle über jede Form. Deine Freiheit liegt darin, dass keine Wendung dich von dem trennen kann, was du bist. Du kannst im Spiel scheitern, ohne selbst gescheitert zu sein. Du kannst etwas verlieren, ohne dich zu verlieren. Du kannst empfangen, ohne das Empfangene festhalten zu müssen. Und du kannst jederzeit neu wählen.
So verliert das Leben seinen Prüfungscharakter. Eine Entscheidung ist kein kosmischer Test darüber, ob du richtig oder falsch bist. Sie ist eine Bewegung, durch die das Leben sich erfährt. Auf der menschlichen Ebene trägt sie Folgen. Auf der höchsten Ebene bedroht keine dieser Folgen dein Sein. Beides darf gleichzeitig wahr sein. Gerade deshalb kannst du dein Leben ernst nehmen, ohne es schwer zu machen.
Aus dem Sein zu wählen bedeutet nicht, dass du immer sofort weißt, was zu tun ist. Es bedeutet, dass du deine Wahl nicht länger benutzt, um deinen Wert zu sichern, eine Reaktion zu vermeiden oder dir eine Garantie für die Zukunft zu verschaffen. Du hältst einen Moment inne und fragst nicht nur: Was soll ich tun? Du fragst: Wer bin ich in Beziehung zu dem, was sich mir gerade zeigt? Bin ich diejenige, die um Sicherheit verhandelt, oder diejenige, die weiß, dass sie getragen ist? Bin ich diejenige, die auf Erlaubnis wartet, oder diejenige, die ihrer Wahrheit jetzt eine Form gibt?
Und noch tiefer: Worüber willst du dir bewusst sein? Über den Mangel oder über die Fülle, die bereits da ist? Über die Ablehnung oder über die Freiheit, dich selbst zu wählen? Über die offene Frage oder über das Bewusstsein, das auch diese Frage halten kann? Deine Aufmerksamkeit ist nicht belanglos. Sie bestimmt, welche Bedeutung du einer Erfahrung gibst, welche Identität du einnimmst und wie du dem Leben begegnest.
Es ist das, was du glaubst, dass es ist. Damit ist nicht gemeint, jedes Ereignis mit einem positiven Gedanken schönzureden. Kein Ereignis trägt seine ganze Bedeutung bereits in sich. Eine ausbleibende Antwort kann für dich Ablehnung bedeuten oder Raum für eine neue Richtung. Ein Ende kann dir erzählen, dass du verloren hast, oder dir zeigen, dass eine Form vollständig geworden ist. Eine herausfordernde Phase kann zum Urteil über deinen Weg werden oder zu dem Ort, an dem du erkennst, wie tief dein Vertrauen bereits reicht. Das Ereignis ist da. Doch wer du in Beziehung dazu bist, verändert deine Erfahrung und die nächsten Schritte, die aus ihr entstehen.
Wahl aus dem Sein bleibt nicht in deinem Inneren. Sie verändert, wie du sprichst, wie du Grenzen setzt, welche Möglichkeiten du wahrnimmst, was du annimmst und was du nicht länger fortführst. Wenn du dir deines Mangels bewusst bist, wirst du das Leben aus Mangel lesen. Wenn du dich als getrennt erlebst, suchst du im Außen nach dem, was dich vervollständigen soll. Wenn du dich an die Fülle erinnerst, die du bist, begegnest du derselben Welt aus einer anderen Identität.
Das Leben antwortet in derselben Reichhaltigkeit, aus der du ihm begegnest. Nicht als Belohnung für die richtige Frequenz und nicht als Bestrafung für einen ängstlichen Gedanken. Du musst keinen Zustand perfekt halten. Doch das, was du wiederholt verkörperst, wird zu der Weise, in der du siehst, wählst, handelst und empfängst. Aus gelebter Fülle bemerkst du Möglichkeiten, die du aus Schutz übersehen hast. Du sprichst aus, was du zuvor zurückgehalten hast. Du erlaubst dir Unterstützung. Du empfängst, ohne sofort nach dem Preis zu fragen, den du dafür zahlen musst. Und so beginnt sich auch dein sichtbares Leben nach der Wahrheit zu ordnen, aus der du ihm begegnest.
Du bist dabei kein kleines Ich, das eine getrennte Welt energetisch zwingen muss. Das Leben antwortet dir nicht von außen. Es begegnet sich selbst. Dasselbe Bewusstsein erscheint als dein Wunsch, als dein Impuls, als deine Handlung, als ein anderer Mensch und als die Form, die daraus entsteht. Bewusste Schöpfung heißt, dich nicht länger aus der Schöpfung herauszunehmen.
Am Anfang darf es wichtig sein, bewusst zu wählen, Gedanken zu erkennen und dich immer wieder an deinen Ursprung zu erinnern. Doch irgendwann verstummt sogar die Frage, wie du aus dem Sein leben sollst. Du hältst nicht mehr jeden Gedanken an, um zu prüfen, ob er dich weit genug trägt. Du schreibst, wenn Schreiben da ist. Du sprichst, wenn etwas gesagt werden will. Du gehst, wenn Bewegung entsteht, und bleibst still, wenn nichts zu tun ist. Das Leben bewegt sich als du.
Das ist das Ende der ständigen inneren Einmischung. Auf der relativen Ebene triffst du weiterhin Entscheidungen. Auf der absoluten Ebene erscheint auch die Wahl im Bewusstsein. Dieser scheinbare Widerspruch muss nicht aufgelöst werden. Du darfst ihn leben.
Dann wird das Spiel leichter. Angenehmes geschieht dadurch nicht plötzlich häufiger — du weißt nur, dass du in keiner Szene verloren gehen kannst. Du bist frei, alles zu erfahren und ganz Mensch zu sein. Du darfst wünschen, erschaffen, führen, lieben, empfangen und deine Meinung ändern. Du darfst dem Leben eine Form geben, ohne diese Form zu deiner Identität zu machen.
Du bist. Von hier aus wählst du. Und das Leben antwortet.
Remember ist kein Raum, in dem du noch mehr Antworten sammeln musst. Es ist ein 99-tägiger Raum für Menschen, die bereit sind, die Wahrheit, die sie längst erkannt haben, durch ihr Leben sprechen zu lassen. Nicht außerhalb ihres Menschseins, sondern mitten darin: in ihren Gefühlen, Beziehungen, Entscheidungen, ihrem Wirken und ihrem Empfangen.
Du erinnerst dich an das Bewusstsein, das du bist. Du bleibst bei deiner Wahrheit, wenn das Außen noch eine andere Geschichte erzählt. Und du gibst dem, was durch dich gelebt werden will, eine Form. Wenn du dich gerufen fühlst, hier erfährst du mehr über Remember.
Du erinnerst dich. Und dein Leben folgt.
Alles Liebe,
Kathrin
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Kathrin Jeglejewski ist Gründerin von New Spirit Leaders. In ihren Räumen begleitet sie bewusste Menschen zurück zu dem, was sie in Wahrheit längst sind — jenseits von Selbstoptimierung, zurück in Vertrauen, Verkörperung und gelebtes Sein. Denn wenn du dich erinnerst, erinnert sich auch das Leben an dich. Ihre Räume und mehr von ihr findest du unter kathrinjeglejewski.de.
Und wenn dich beim Lesen etwas berührt hat, beginne genau dort, wo Erinnern beginnt: mit A Prayer of Remembering — einer kostenlosen, geführten Audio, die dich tiefer an deine wahre Essenz erinnert und zurück in Ruhe und Vertrauen führt. Hier kostenlos empfangen.