
by Kathrin Jeglejewski
Viele Menschen verstehen Liebe als eine Emotion. Etwas, das entsteht, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Wenn jemand bleibt. Wenn Nähe da ist. Wenn Sicherheit empfunden wird. Dann ist Liebe da. Und wenn sich die Umstände verändern, scheint sie wieder zu verschwinden.
Aus Sicht der höchsten spirituellen Lehren ist genau das jedoch ein Missverständnis. Liebe ist kein emotionaler Zustand. Liebe ist das Nicht-Getrenntsein von dem, was gerade ist.
Das bedeutet nicht, dass du immer Wärme, Nähe oder Zuneigung fühlst. Es bedeutet, dass selbst Schmerz, Rückzug oder Unsicherheit in dir erscheinen dürfen, ohne dass du dich innerlich dagegen verhärtest.
Liebe zeigt sich im Erlauben, nicht im angenehmen Gefühl.
Liebe beschreibt keinen Inhalt deiner Erfahrung, sondern die Beziehung zu ihr. Immer dann, wenn du innerlich nicht gegen einen Moment arbeitest, ist Liebe vorhanden. Nicht als Gefühl. Als Offenheit. Als Ruhe. Als ein inneres Nicht-Widersprechen. Das kann sich weit anfühlen. Still. Oder vollkommen unspektakulär. Deshalb wird Liebe so oft übersehen. Weil sie nicht intensiv sein muss, um vollständig zu sein.
Viele kennen nur zwei Zustände: Anspannung oder Erleichterung. Doch Liebe liegt tiefer als beides. Sie ist der Moment, in dem dein System aufhört, sich gegen Erfahrung zu verteidigen.
Du kannst Liebe nicht verlieren, weil sie deiner tiefsten Wahrheit entspricht. Du kannst nur in den Widerstand gehen.
Der Verstand bewertet. Der Körper spannt an. Identität verteidigt sich. Und plötzlich fühlt sich das Leben eng an, weil Trennung erlebt wird. Nicht weil wirklich Trennung entsteht, sondern weil dein Nervensystem in Schutz geht. Die Enge ist kein Beweis für fehlende Liebe – sie ist ein Schutzreflex gegen das, was gerade gefühlt wird. Doch Liebe endet in diesem Moment nicht. Du nimmst sie nur nicht mehr wahr.
Denn selbst der Widerstand erscheint in dem, was du bist. Das, was deine Anspannung bemerkt, bleibt unberührt davon. Und genau dort ist Liebe nicht eine Reaktion – sondern die Grundlage jeder Erfahrung.
Die meisten Menschen suchen nach der richtigen Beziehung zwischen zwei Personen. Die grundlegende Beziehung findet jedoch woanders statt: Zwischen Bewusstsein und Erfahrung.
Alles, was du erlebst, erscheint in dir. Gedanken. Gefühle. Menschen. Situationen. Du stehst dem Leben nicht gegenüber. Du erlebst es innerhalb deiner Wahrnehmung. Darum kann dich ein Mensch nicht vollständig machen und dich auch nicht wirklich verlassen. Er kann nur das in Bewegung bringen, was bereits in deiner Erfahrung angelegt ist.
Liebe ist der Moment, in dem dieser innere Gegensatz endet. Wenn Wahrnehmung nicht mehr bewertet, korrigiert oder festgehalten werden muss. Nicht weil alles perfekt wird, sondern weil nichts mehr gegen dich steht.
Wenn Liebe nicht mehr abhängig von Umständen ist, verändert sich dein Verhalten von selbst. Du musst weniger kontrollieren. Du musst weniger interpretieren. Du musst weniger schützen. Nicht deshalb, weil dir alles gleichgültig wird, sondern weil du stabil in dir verankert bist.
Und so werden deine Handlungen klarer. Deine Kommunikation direkter. Und jede Nähe einfacher. Weil du nichts mehr brauchst, um vollständig zu sein. Und genau das strahlst du aus.
Menschen erleben das praktisch: Gespräche werden ruhiger. Du erklärst weniger und wirst klarer verstanden. Nähe entsteht ohne Anstrengung. Nicht weil du dich bemühst, sondern weil kein inneres Halten mehr notwendig ist.
Oft wird gesagt, du seist bedingungslose Liebe. Gemeint ist damit nicht, dass du immer freundlich bist oder alles gut findest. Bedingungslos bedeutet: Deine Offenheit hängt nicht mehr davon ab, was gerade geschieht. Du musst einen Moment nicht mehr erst verändern, um innerlich ruhig zu werden. Du musst Menschen nicht mehr kontrollieren, um dich sicher zu fühlen. Und du musst dich selbst nicht mehr verbessern, um dich ganz zu erleben.
Dadurch entsteht etwas sehr Konkretes: Widerstand verbraucht keine Energie mehr. Und genau deshalb beginnt sich dein Leben zu ordnen. Nicht weil du mehr versuchst, sondern weil nichts mehr gegen das arbeitet, was ohnehin entstehen will.
Viele nennen das Vertrauen. Andere nennen es Fülle. Im Kern ist es dasselbe: Wenn du nicht mehr innerlich gegen Erfahrung arbeitest, kann das Leben auf dich reagieren. Deine Beziehungen werden klarer. Deine Entscheidungen einfacher. Deine Handlungen direkter. Und Möglichkeiten tauchen auf, ohne dass du sie erzwingst. Nicht weil du Realität kontrollierst, sondern weil kein innerer Konflikt mehr in sie hineingetragen wird.
"Bedingungslose Liebe ist deshalb kein Gefühl. Sie ist der Zustand, in dem dein Leben wieder ohne inneren Widerstand stattfinden darf."
Du musst Liebe nicht herstellen. Du musst sie nicht halten. Und du kannst sie nicht verlieren.
Das Einzige, was geschieht: Der Widerstand überdeckt sie. Aber sobald der Widerstand endet, wird sie wieder sichtbar. Du erschaffst sie nicht neu. Du erkennst dich durch sie wieder. Liebe ist nicht etwas, das zu dir kommt. Sie ist das, worin jede Erfahrung erscheint.
"Liebe ist das, was übrig bleibt, wenn du aufhörst, gegen das Leben zu arbeiten. "
Vielleicht erkennst du daran auch den Unterschied: Emotionale Liebe kommt und geht. Sein-Liebe bleibt – und genau sie macht echte Nähe erst möglich.
Wenn du das Gesagte nicht nur verstehen, sondern unmittelbar erfahren möchtest, beginne mit der Audio-Erinnerung „Devotion“. Sie führt dich genau in den Zustand, über den du hier gelesen hast – ohne Technik, ohne Methode, nur durch Präsenz. Hier kannst du sie hören: Zu Devotion.
Wenn du das nicht nur verstehen, sondern stabil erfahren willst, braucht es keinen neuen Inhalt, sondern einen Raum, in dem du nicht wieder in alte Muster zurückfällst. Genau dafür halte ich drei Räume, die in ihrer Essenz einen Ursprung haben: dein wahres Sein. Wenn du dich gerufen fühlst, hier erfährst du mehr über die Sacred Rooms.
Alles Liebe,
Kathrin